Grundlohn-Erhöhung für alle Werkstattbeschäftigten

Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte NRW
zur Grundlohn-Erhöhung ab 01.08.2016 

GeldbndelDie Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte NRW findet es gut, dass durch die Änderung der gesetzlichen Grundlagen eine Erhöhung des Grundbetrags von 75,00€ auf 80,00€ geben wird.

Die Erhöhung des Grundbetrages wird ab dem 01.08.2016 zur Anwendung kommen.

Leider hat diese Änderung für uns als Werkstatträte auch einen bitteren Beigeschmack.

Mehrere Geschäftsleitungen von Werkstätten haben ihre Werkstatträte bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie beabsichtigen, die in den Werkstätten jeweils gültigen Entgeltordnungen anpassen zu wollen.

Ziel ist, dass der für jeden Beschäftigten zu zahlende Steigerungsbetrag um 5,00€ gekürzt wird.Taschendieb

Was nützt aber eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen, wenn diese durch Änderungen von werkstattinternen Entgeltordnungen ausgehebelt werden können.

Nun sind wir Werkstatträte gefragt, uns als Interessenvertretung der Beschäftigten in den Werkstätten unserer Stärke bewusst zu sein.

Werkstatträte haben laut der Werkstätten-Mitwirkungs-Verordnung

§5  Mitwirkungsrechte des Werkstattrats
3. b) Fragen der Gestaltung der Arbeitsentgelte, insbesondere die Aufstellung von Entlohnungsgrundsätzen und die Einführung und Anwendung von neuen Entlohnungsmethoden sowie deren Änderung, Festsetzung der Grund- und Steigerungsbeträge und vergleichbarer leistungsbezogener Entgelte, Zeit, Ort und Art der Auszahlung der Arbeitsentgelte sowie Gestaltung der Arbeitsentgeltbescheinigungen;

Mitwirkung bedeutet, dass der Werkstattrat seine Meinung zu Themen sagen soll und kann.

Der Werkstattrat und die Geschäftsführung der Werkstatt haben darauf hinzuwirken, dass bei Meinungsverschiedenheiten ein Kompromiss gesucht und gefunden wird.

Kann das nicht erreicht werden, kann die Vermittlungsstelle angerufen werden.

Die Vermittlungsstelle wird dann einen Kompromissvorschlag erarbeiten, dem die Geschäftsleitung aber nicht folgen muss.

Wir, die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte NRW, wissen, dass nur weil sich die gesetzlichen Grundlagen geändert haben, es dadurch nicht zu besseren Arbeitsergebnissen in den Werkstätten kommt.

Wir wissen auch, dass nach der Werkstättenverordnung das Arbeitsergebnis der Werkstätten mindestens zu 70 % als Arbeitsentgelt an die Beschäftigten ausgezahlt werden muss (§12 WVO; (5) 1.)

Die allgemeine Einkommensentwicklung und die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland zeigt, dass es mit dem Einkommen nach oben geht.

Werkstatträten wird nun abverlangt, dass sie als Interessenvertretung von Beschäftigten in Werkstätten einer faktischen Lohnkürzung „zustimmen“ sollen?

Wir möchten noch einmal daran erinnern, dass nach Berechnungen der Bundesregierung ein durchschnittliches Entgelt für WfbM Beschäftigte im Jahr 2011 bei monatlich 181,00€ lag. Neuere Zahlen liegen uns nicht vor.

Wir, die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte NRW, fordern alle Werkstattverantwortlichen dazu auf, bleiben Sie mindestens bei den jetzigen, mit den Werkstatträten gültig vereinbarten Entgeltordnungen. 
Keine Kürzung von Steigerungsbeträgen!
Wir sind es wert!

 

Die Stellungnahme könnt ihr hier auch als pdf-Datei herunterladen, ausdrucken und eurer Geschäftsleitung geben.

 

9 Kommentare zu Grundlohn-Erhöhung für alle Werkstattbeschäftigten
  1. Hallo ihr Deppen!!
    Warum denkt Ihr so negativ. Lasst Ute Zeit um die Erhöhung durchzusetzen. Es ist eine Priorität die Ute sich vorgenommen hat. Dies braucht Zeit, und vorallem EURE UNTERSTÜTZUNG.
    Smitty

    Antworten
  2. Hallo liebe Kollegen,
    ich bin Vorsitzender im Werkstattrat WfbM Lippstadt und habe eine Frage an Euch. Wer weiß, in wie vielen WfbM der Steigerundbetrag auf Grund der Grundlohnerhöhung abgesenkt wurde?
    Schönen Gruß
    Siggi

    Antworten
    • Hallo Siggi,

      diese Daten liegen uns leider nicht vor.

      Liebe Grüße

      Ute

    • smitty wr herforder-werkstaetten
      4. Oktober 2016 um 19:40 Uhr

      Hallo Siggi, der Steigerungsbetrag wird nicht gesenkt. Wo hast du das her? Er wurde gerade um 5 Euro erhöht.

    • Hallo Smitty!
      mit deiner Aussage liegst du leider falsch. Der Grundbetrag wurde um 5 Euro erhöht. Aus diesem Grund wurde in einigen Werkstätten der Steigerungsbetrag gesenkt, so dass das Entgelt gleich bleibt. Andere Werkstätten haben aber den Steigerungsbetrag so belassen, wie er war. In diesen Werkstätten gab es demzufolge eine Entgelterhöhung. Ist das für dich OK?

      Gruß aus Lübbecke
      Michael Dräger

  3. Da wird sich eh in 100 Jahren nichts ändern. Wir Behinderten sind nun mal die Deppen der Nation. Leicht ausnutzbar und WIR meckern nicht und das Recht auf Arbeitsniederlegung haben wir auch nicht. Wenn alle wüssten, was wir in WfbM’s so herstellen, was man so im Haus oder der Öffentlichkeit benutzt, würden viele anders denken.

    Antworten
    • Hallo Christian! Ich bin zwar aus RLP [Rheinland-Pfalz] und arbeite in den Lebenshilfe Werkstätten in Bad Kreuznach, aber leider hast Du recht und deshalb müssen wir was dagegen gemeinsam unternehmen .

  4. Wo geht das ganze Geld hin, das die Werkstätten bekommen von

    1) staatlicher Seite,

    2) Spenden und

    3) Aufträgen aus der Wirtschaft?

    Addiert man alle Einnahmen, dann hätte man mehr als genug Geld zur Verfügung, um den Werkstatt-Beschäftigten einen angemessenen Lohn zahlen zu können. Sollte dies nicht möglich sein, werden die Leistungen der Arbeitnehmer (Werkstatt-Beschäftigten) vermutlich nicht angemessen gewürdigt.

    Antworten
    • Ich arbeite in einer Werkstatt für Behinderte Menschen im Bereich Grafikdesign, Weblayout und Offsetdruck.

      Da ich vorher von Nov. 1994 bis Aug. 1999 auf dem ersten, freien Arbeitsmarkt als kaufm. Angestellter bei einer Baumaschinenfirma in Münster gearbeitet habe, trat ich im Jahre 1995 in die Gewerkschaft HBV ein, die zusammen mit weiteren Gewerkschaften zur großen Gewerkschaft verdi fusionierte.

      Leider haben die Gewerkschaften keinerlei Machtbefugnisse im Bereich der Behindertenwerkstätten;

      Wenn ich eine Rente beziehe, darf ich bis zu 450,00 Euro hinzuverdienen.

      Warum sollten nicht Alle Behinderten, die in Wetkstätten für Behinderte Menschen (WfBM) auch nicht 450,00 zur EU-Rente oder Grundsicherung hinzuverdienen dürfen?

      Ist die Arbeit von Menschen mit Behinderungen in Deutschland nicht viel wert.

      Willkür gibt es immer dort, wo es keine Unterstützung der Behinderten von ausserhalb der Werkstätten, sprich, den Gewerkschaften gibt.

      Hier wäre der Gesetzgeber gefordert, im Rahmen einer „echten“ Inklusion nicht nur die Teilhabe Behinderter am Leben Nichtbehinderter zu ermöglichen, sondern auch umgekehrt, die Teilhabe Nichtbehinderter am Leben Behinderter möglich zu machen!

      Ich habe daher folgende Onlinepetition geschrieben. Vier Unterschriften habe ich bereits gesammelt.

      Der Link zu meiner gestarteten Petition lautet;

      http://www.petitionen24.com/450__mindestlohn_fur_behinderte_in_behindertenwerkstatten

      Ich selber bin im Werkstattrat einer (WfBM)=Behindertenwerkstatt als Protokollführer tätig.

      Mit freundlichen Grüßen

      Raimund Barkam


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